Frühlingszeit ist Schimmelzeit

Ein Fachbeitrag des Raumluftexperten Mag. Thomas Schlatte

Vor gesundheitsgefährdender Schimmelbildung im eigenen Haushalt ist niemand gefeit. Marktstudien gehen davon aus, dass bis zu jede zehnte Wohnung betroffen ist.
Wenn die Temperaturen steigen und das Tauwetter einsetzt, freuen sich die meisten Menschen auf den Frühling – doch für Schimmelpilze ist es ebenfalls Hochsaison. Gerade in den Übergangsmonaten März bis Mai kommt es in Innenräumen häufig zu einem erhöhten Schimmelbefall. Wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern und das Raumklima dauerhaft verbessern.

Warum ist der Frühling besonders schimmelgefährdet?
Der Frühling bringt einen charakteristischen Klimawandel mit sich: Die Außenluft erwärmt sich rasch, enthält aber gleichzeitig viel Feuchtigkeit – sei es durch Regen, Schneeschmelze oder die allgemein höhere relative Luftfeuchtigkeit. Kalte Wände und Böden, die sich über den Winter abgekühlt haben, erwärmen sich nur langsam. Die Folge: Warme, feuchte Luft trifft auf kalte Oberflächen, kondensiert und bildet die ideale Grundlage für Schimmelwachstum.
Hinzu kommt, dass viele Haushalte im Frühling die Heizung drosseln oder ganz abschalten, während das Lüftungsverhalten noch nicht angepasst wurde. Dieser Übergang schafft thermische Ungleichgewichte im Gebäude, die Kondensation begünstigen.

Häufige Ursachen im Überblick
1. Kondensationsfeuchtigkeit
Kältebrücken an Außenwänden, Fensterlaibungen oder in schlecht isolierten Ecken sind klassische Problemzonen. Wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der Raumluft sinkt, schlägt sich Wasser nieder. Im Frühling verschärft sich dieses Phänomen durch die beschleunigte Aufwärmung der Luft bei gleichzeitig träge nachziehenden Bauteiltemperaturen.
2. Unzureichendes Lüften
Gekippte Fenster – besonders nachts, wenn die Außenluft noch kalt und feucht ist – führen zu einer kontinuierlichen Feuchtezufuhr, ohne die Luft tatsächlich auszutauschen. Dadurch steigt die relative Luftfeuchtigkeit in Räumen dauerhaft an. Ideal ist ein kurzes, intensives Stoßlüften mehrmals täglich.
3. Frühjahrsputz und erhöhte Aktivität
Putzen, Wäsche trocknen in Innenräumen und Gartenarbeit mit feuchter Kleidung erhöhen die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen erheblich. Auch Blumenerde von frisch umgetopften Pflanzen ist ein unterschätzter Feuchtigkeits- und Sporenträger.
4. Baufeuchte und Altschäden
Im Frühling werden Schäden sichtbar, die der Winter hinterlassen hat: Risse in der Fassade, undichte Stellen im Dach oder aufsteigende Feuchtigkeit im Kellerbereich können versteckten Schimmel begünstigen, der erst Monate später als sichtbarer Befall auffällt.

Wirksame Vorbeugung
Die effektivste Strategie gegen Schimmel ist die konsequente Kontrolle der Luftfeuchtigkeit. Als Richtwert gilt eine relative Luftfeuchtigkeit von 40–60 % in Wohnräumen. Ein einfaches Hygrometer (Kosten: ab ca. 10 €) gibt schnell Aufschluss über das Raumklima.
• Stoßlüften statt Kipplüften: 3–4 Mal täglich für 5–10 Minuten alle Fenster vollständig öffnen.
• Temperatur konstant halten: Heizung nicht abrupt abschalten – auch im Frühling sollte die Raumtemperatur nicht unter 18 °C fallen.
• Möbel mit Abstand zur Wand: Schränke mindestens 5–10 cm von Außenwänden entfernt aufstellen, damit Luft zirkulieren kann.
• Wäsche draußen oder mit Entfeuchter trocknen: Wäsche in Innenräumen gibt erhebliche Mengen Wasser an die Luft ab.
• Bad und Küche gezielt entlüften: Nach dem Duschen oder Kochen sofort lüften und Türen geschlossen halten.
• Fassade und Dach prüfen: Nach dem Winter auf sichtbare Risse, undichte Stellen und beschädigte Abdichtungen achten.
• Kellerräume regelmäßig kontrollieren: Keller erst lüften, wenn die Außentemperatur tagsüber höher ist als die Kellertemperatur.

Was tun bei bestehendem Schimmelbefall?
Kleinere Schimmelflächen (unter 0,5 m²) auf nicht porösen Oberflächen können mit geeigneten Mitteln – z. B. Isopropylalkohol (70 %) oder speziellen Schimmelentfernern – selbst behandelt werden. Wichtig: Schutzhandschuhe und Atemschutz tragen, befallenes Material in verschlossenen Säcken entsorgen.
Bei großflächigem Befall, Schimmel hinter Verkleidungen, in Dämmstoffen oder wiederkehrendem Befall trotz Gegenmaßnahmen ist ein Fachbetrieb hinzuzuziehen. Nur eine professionelle Ursachenanalyse – gegebenenfalls mit Feuchtemessung im Bauteil – kann dauerhafte Abhilfe schaffen.

Fazit
Schimmel im Frühling ist kein unvermeidliches Schicksal. Mit gezieltem Lüften, konstantem Heizen, regelmäßiger Sichtkontrolle und dem rechtzeitigen Beheben von Bauschäden lässt sich das Risiko deutlich senken. Wer den Übergang in die wärmere Jahreszeit bewusst begleitet, schützt nicht nur sein Zuhause – sondern auch die Gesundheit aller Bewohner.

Autor:

Mag. Thomas Schlatte beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Schimmelbildung und deren Auswirkung auf die Gesundheit. Er ist Mitentwickler des SchimmelChecks und Mitinitiator der Plattform "Meine Raumluft".